Nothing seems to be weird anymore…
13.04 2006 (7:55)
Als ich vorhin auf der Toilette sass, stand an der Tuer: "Nothing seems to be weird anymore" ("Nichts ist mehr komisch"). Und irgendwie musste ich dem Typen der das geschrieben hat Recht geben… Warum? Vielleicht hilft es wenn ich meine "Zimmergenossen" im Hebron Hostel vorstelle.
Als erstes gibt es da Ulf, den durchgeknallten vierzigjaehrigen Ost-Deutschen, der seit 20 Jahren am reisen ist und durch Geschaefte mit der russischen Armee um 1989 zu einem grossen Haufen Geld gekommen ist. Vor 3 Jahren war er kurz zurueck in Deutschland – Das Kind dass er dort gezeugt hat ist nun schon fast 2 Jahre alt… Wenn er nochmals nach Deutschland geht muss er ins Gefaengnis da er sein Kind noch nicht anerkannt hat. Er hasst jede Art von Kommunikation (ausgenommen Telefon) und laeuft mit Ohropax durch die Strassen, da ihn den Laerm der Autos nervt. Er kennt Jerusalem in- und auswendig und kennt ein paar ganz geniale Plaetze.
Danach ist da noch Alan, der Farmer aus Utah, bei dem man, wenn man seine Kleider anschaut, immer noch denkt er sei auf seiner Farm. Ausserdem ist er suechtig nach RC Cola, welches er seit 3 Tagen verzweifelt hier in Jerusalem am suchen ist.
Marty, der Englaender, ist arbeitslos und bekommt Geld von der Arbeitslosenversicherung. Er hat hier den Weg zu Gott gefunden und ist nun auf der Suche nach einem Job, da er den Rest seines Lebens hier verbringen will.
Gestern war ich zusammen mit Ulf am Grab von Oskar Schindler – Den meisten sollte er eigentlich aus dem Film "Schindler's Liste" bekannt sein. Wir mussten ueber einen 5m-hohen Zaun klettern um dahin zu kommen, da der Friedhof schon geschlossen war.
Ansonsten war ich noch am Grab von Jesus… ich hab mir dort ziemlich heftig den Kopf angeschlagen. Zudem hab ich mir wieder einmal ein paar Kirchen angesehen… Auf den Tempelberg, wo der Felsendom steht hab ichs immer noch nicht geschafft…
Heute werde ich mit Laure, die mich abholen wird, nach Bethlehem fahren und dort wahrscheinlich bei einer palaestinensischen Familie, welche Laure kennt, uebernachten.
Noch 200 Stunden
1.04 2006 (10:47)
Meine Reisevorbereitungen nehmen langsam Form an. Gestern habe ich mich über die Möglichkeit des Autostopps in Israel erkundigt und überraschenderweise ist es leichter als angenommen: Autostopp ist erlaubt und zumindest früher war es für Israelis Pflicht, Soldaten die per Anhalter fahren wollten, mitzunehmen – 1996 wurde allerdings ein Israelischer Soldat von Palästinensern ermordet, welche ihn mitfahren liessen
Zudem bin ich daran mir noch einmal die Geschichte Israels durchzulesen. Das Buch, welches ich lese heisst "Die Geschichte des Staates Israel" und wurde von Michael Kruppe einem evangelischen Theologen und Israel-Korrespondenten geschrieben, der seit 40 Jahren in Jerusalem lebt. Es bietet eine Abhandlung der Geschichte Israels zwischen 1948 und heute, ist leicht verständlich, interessant geschrieben und bietet das wichtigse aus beinahe 60 Jahren israelischer Staatsgeschichte. Zudem sind die Ereignisse die zu den verschiedenen Israelisch-Arabischen Kriegen führten sehr gut beschrieben.
Ich habe mich ausserdem noch informiert, wie ich am besten von Israel aus in die Schweiz telefonieren kann. Eine der besten Optionen scheint mir, eine israelische SIM-Karte zu kaufen und dann mittels Jajah (Telefonieren übers Internet per Telefon / Mobiltelefon) die Verbindung in die Schweiz herzustellen – Kostenpunkt: 13 Rappen pro Minute.
Noch 12 Tage…
28.03 2006 (6:03)
Nun geht es also noch 12 Tage bis ich endlich wieder einmal verreise. Mein Plan ist, dass ich kein Plan habe – Ich weiss nur dass die Enddestination Tel Aviv heissen wird und dass mich dort um 4 Uhr morgens wahrscheinlich ein Verhör der Israelis erwartet – Denn mit Stempeln von Syrien und dem Libanon im Pass und dann noch dazu alleinreisend kann man nur Terrorist sein…
Apropos Terroranschläge: Es ist viel wahrscheinlicherin Israel von einem Auto gerammt zu werden, als in einen Terroranschlag zu geraten. Naja, Nicolas, ein Schulfreund von mir meinte allerdings, als er gehört hat wohin die Reise geht, dass es ihn gefreut hat mich kennenzulernen…
Ich hab mir vorhin noch kurz einen Blog eines Typen namens Godsmurf angesehen. Er war vor 2 Jahren in Israel und hat nun ein kleines Tagebuch seiner Reise veröffentlicht – Sehr lesenswert: Around the Middle East in 80 days